Kaninchen und Feldhase

Kaninchen und Feldhasen erscheinen auf den ersten Blick relativ ähnlich. Der Feldhase (Lepus europaeus) gehört zur Familie der Hasen (Leporidae), ebenso das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) und Hauskaninchen mit Zwergkaninchen (Brachylagus idahoensis).

Bei näherer Betrachtung fallen jedoch große Unterschiede dieser beiden Familienangehörigen auf. 

In der Anatomie gibt es die auf den ersten Blick sichtbaren Unterschiede im Körperbau. Der Feldhase ist groß und schlank mit langen schmalen Läufen und sehr langen Löffeln, die schwarze Ränder besitzen (Foto 1 und 2). Das Wildkaninchen ist eher klein und kompakt mit kürzeren Läufen und Löffeln (Foto 3). Beide besitzen ein helles Bauchfell. Das restliche Fell des Feldhasen ist jedoch erd- bis rotbraun. Das des Wildkaninchens ist eher graubraun. Wildkaninchen sind meist sehr viel kleiner und haben ein Gewicht von ca. 1,5 kg - 2,0 kg. Währenddessen ausgewachsene Feldhasen ein Gewicht von bis zu 5 kg auf die Waage bringen können.

Die Lebensweise der beiden könnte unterschiedlicher nicht sein. Wildkaninchen gibt es mittlerweile in der Großstadt. Sie sind dämmerungsaktive Tiere, die in großen Kolonien auf einer überschaubaren Fläche leben. Sie bevorzugen geschützte Gebiete mit lockerem Boden. Sie sind Meister im Tunnelgänge graben, denn das ist ihr Lebensraum und dort bringen sie ihren Nachwuchs zur Welt. Feldhasen sind oberirdisch lebende Tiere in einem großen Revier, die sich als Einzelkämpfer durchschlagen und nur während der Paarungszeit den Kontakt zu anderen Feldhasen suchen. Sie leben vorzugsweise in weiten und offenen Flächen wie Felder und freie Weideflächen. Ihre Nahrungssuche ist meistens nachts oder in den sehr frühen Morgenstunden, wenn sie sich ungestört und ohne das Befürchten von Gefahr bewegen können. Ihr Nachwuchs kommt in einer flachen Bodenmulde oberirdisch zur Welt. Wildkaninchen können sehr häufig auch tagsüber bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden. Sie lassen sich durch die Anwesenheit von Menschen eher weniger stören, sofern diese ihnen nicht zunahe kommen. Feldhasen hingegen sind sehr scheu - die meisten verschwinden beim kleinsten Geräusch, bevor der Mensch den Hasen überhaupt gesehen hat, ihm quasi nur noch nachsehen kann.

Der Körperbau des Feldhasen macht es ihnen möglich bei Gefahr eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h zu erreichen. Sie flüchten in die Weite und schlagen dabei gerne auch Haken. Kaninchen hingegen retten sich in den nahen Bau, den sie in der Regel nie weit verlassen. Sie sind keine Langläufer wie der Feldhase, sondern eher Kurzsprinter. Die Fortpflanzung ist bei beiden ebenfalls von Unterschieden geprägt. Der Feldhase besitzt mit 48 Chromosomen mehr als das Kaninchen (nur 44 Chromosomen). Ein "Vermehren wie die Karniggel" trifft nur auf die Kaninchen zu, die etwa 5 bis 7 Würfe mit je 3 bis 8 Jungen haben. Der Feldhase hingegen hat meist nur 4 Würfe mit einem oder mehreren Jungen. Auch die Tragezeit variiert. Beim Kaninchen sind es 28-33 Tagen Tragezeit. Der Feldhase liegt deutlich darüber mit 40-42 Tagen Tragezeit.

Wie bereits zuvor unter Lebensraum kurz beschrieben, gebärt das Kaninchen seine Jungen im unterirdischen Bau (Foto 4). Es baut dort ein Nest aus Gras und Bauchfell und legt dort seine Jungen hinein. Diese sind Nesthocker, das bedeutet sie sind nackt, blind und taub. Der Feldhase gebärt sogenannte Nestflüchter in einer Bodenmulde. Das sind Jungtiere, die behaart und relativ früh selbständig sind, sowie unmittelbar nach der Geburt sehen und hören können. Der Feldhase legt sie ab und sucht sie nur einmal täglich zum Säugen auf. Ansonsten befindet er sich in unmittelbarer Nähe, um sich nähernde Feinde ablenken zu können, bevor diese den Nachwuchs finden. Leider birgt diese Distanz der Mutter für die Jungtiere eine große Gefahr, denn sehr oft meinen Spaziergänger dadurch die Jungtiere wurden von ihrer Mutter verstoßen und nehmen den Nachwuchs mit! Bei den schützend im Bau liegenden Wildkaninchenjungen kommt die Mutter einmal täglich (meist nachts oder sehr früh am Morgen) zum Säugen. Durch dieses gute Versteck werden sie von Spaziergängern eher selten wahrgenommen.

Schlussendlich wird klar, dass die sogenannten echten Hasen nicht in Gefangenschaft als Haustiere leben. Selbst Stallhasen gehören den Kaninchen an und haben bis auf den Begriff Hase in ihrer Bezeichnung nichts mit den echten Hasen gemeinsam.

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