Diagnostik

Gewichtsfeststellung

Das Wiegen von Kaninchen ist am präzisesten auf einer entsprechenden Kleintier- oder Babywaage (siehe Foto rechts). Ein regelmäßiges Wiegen ist sinnvoll, um Gewichtsveränderungen nach oben oder unten hin feststellen zu können. Eine rapide Gewichtsabnahme kann Hinweis auf eine Erkrankung sein. Dann sind weitere diagnostische Maßnahmen nötig, um die Krankheit genau zu lokalisieren und behandeln zu können.

Röntgen

Es gibt zum einen das "normale" Röntgenverfahren, bei dem das Kaninchen in der Regel ohne Narkose "durchleuchtet" wird, um mithilfe eines Röntgenbildes Aufschluss über die Erkrankung zu erhalten. Weiterhin kann ein Kontrastmittel zum Einsatz kommen, um ein noch deutlicheres Ergebnis zu erzielen. Kaninchen müssen keineswegs zur Anfertigung eines Röntgenbildes stets narkotisiert werden!

Computertomografie (CT)

Ein zusätzliches Diagnosehilfsmittel in Ergänzung zum Röntgen ist die Anfertigung einer Computertomografie. Allerdings verfügt nicht jeder örtliche Tierarzt über ein solches Gerät, so dass man dazu oft an die nächstgelegene Tierklinik verwiesen wird. Körperstrukturen können hier dreidimensional erfasst werden. Dies kann gerade bei Verdacht auf tumoröse Veränderungen zusätzlich für einen gesicherten Befund hilfreich sein, allerdings ist das Verfahren sehr teuer, so dass es bei Kaninchenhaltern oft nicht genutzt wird.

Ultraschall (auch: Sonografie/Echografie)

Eine Ultraschalluntersuchung ist für das Kaninchen ein nicht belastendes und schmerzfreies Verfahren, da keine Narkose erforderlich ist. Für diese Untersuchung wird der Patient stabil und fest gebettet und das Fell abrasiert. Damit kann man beispielsweise Trächtigkeitsuntersuchungen durchführen und Gebärmutterveränderungen, sowie andere Tumore und Metastasen feststellen. Desweiteren können mit dieser Diagnostik auch angeborene, alters- oder krankheitsbedingte Herzerkrankungen festgestellt werden. Ultraschall kann auch ein weiteres Hilfsmittel bei Magen-/Darm-Problemen sein.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Die Magnetresonanztomografie gehört ebenfalls zu den bildgebenden Verfahren und erzeugt mit Hilfe von Magnetfeldern und Radiowellen Schnittbilder des Körpers. Dieses Verfahren wird in der Regal nur dann eingesetzt, wenn eine Röntgen- bzw. Ultraschalluntersuchung keine eindeutigen Ergebnisse lieferte. Die MRT ist besonders gut geeignet, um innere Organe darzustellen bzw. Veränderungen an ihnen zu beurteilen.

Elektrokardiogramm (EKG)

Ein Elektrokardiogramm kann bei Verdacht auf eine Herz-/Kreislauferkrankung zum Einsatz kommen.

Endoskopie

Die geschieht meist per Videoaufzeichnung. Hierbei können Atemwege, Magen- und Darmtrakt oder Gehörgang untersucht werden.

Kotuntersuchung

Rein vorsorglich lassen viele Halter den Kot ihrer Kaninchen regelmäßig, insbesondere jedoch vor Impfungen/Impfauffrischungen auf Parasiten kontrollieren. Dazu wird der Kot über 3-4 Tage gesammelt und in einer kleinen Plastiktüte oder in einem über den Tierarzt oder Tierheilpraktiker erhältlichen Röhrchen in der Praxis abgegeben und im Labor untersucht.
Links zu sehen normal geformte Kotkugeln. Rechts eine sogenannte Kot-Kette, die in der Regel dann entsteht, wenn verschlucktes Fell mit ausgeschieden wird. Der Kot ist dann aneinandergereiht, wie bei einer "Perlenkette".

 

Blutuntersuchung

Die Blutabnahme erfolgt beim Kaninchen ganz unterschiedlich. Während manche Tierärzte dazu noch immer die A. auricularis im Ohr verwenden, nutzen die meisten Tierärzte mittlerweile die V. saphena am Schenkel oder die V. cephalica am Vorderlauf. Dazu wird das Tier am Schenkel/Lauf leicht rasiert. Veränderungen im Blutbild können Hinweise auf Entzündungen (Infektionen), Tumorerkrankungen, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen und vieles mehr geben. Zudem kann man mithilfe eines Blutbildes bestimmte Titerwerte bestimmen, so zum Beispiel den Titer des Enzephalitozoon cuniculi.

Urinuntersuchung

Die Untersuchung des Urins kann neben Entzündungen im Urogenitalsystem Aufschluss geben, ob sich Ablagerungen im Urin befinden, die auf Blasengrieß, -steine oder Nierenprobleme führen könnten. Zuhause kann man den Urin nur bedingt mithilfe von Teststreifen testen. Dazu wird in möglichst frisch gelassenen Urin ein Teststreifen gelegt. Ist auf diesem ein Testfeld zur Anzeige, ob sich Blut im Urin befindet, ist dieses Ergebnis sehr zuverlässig.
Für eine mikrobiologische Untersuchung muss der Urin jedoch anders "gewonnen" werden, was beim Tierarzt erfolgt.
Der Hinweis von Glukose im Urin muss nicht zwangsläufig auf eine Erkrankung hindeuten. Gerade bei Stress kann dieser Wert erhöht sein. Nitrit im Urin deutet auf eine Entzündung hin. Eine Diagnose auf Enzephalitozoon cuniculi mithilfe eines Urintests ist nicht aussagekräftig, da erkrankte Tiere den Erreger nicht permanent ausscheiden! 

Haut-/Fellprobenuntersuchung

Dermatologisch gibt es verschiedene Diagnostik, um Erkrankungen auf Parasiten festzustellen. Dazu wendet der Tierarzt (teilweise auch Tierheilpraktiker) verschiedene Methoden an: Tesa-Abklatschmethode, Hautgeschabsel (oberflächlich/tief). Jene werden dann noch näher untersucht, um eine Diagnose stellen zu können.

Körpertemperatur messen

Erhöhte Temperatur oder Fieber wird beim Kaninchen rektal gemessen. Normal ist eine Temperatur zwischen 38 und 39 Grad Celsius. Bei Stress kann diese jedoch selbst bei einem gesunden Kaninchen auf größer 39 Grad Celsius steigen.

Sonstige Untersuchungen

Bei Verdacht auf neurologische Erkrankungen nutzen Tierärzte gerne den sogenannten Tischkantentest. Bei dem wird das Kaninchen mit den Vorderläufen oder Hinterläufen sanft gegen die Tischkante gehalten wird. Gesunde Kaninchen heben dann die Pfoten an. 

Literaturtipp 

Leitsymptome beim Kaninchen, ein diagostischer Leitfaden. Anja Ewringmann