bunny-in stellt vor... Archiv

April 2009

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Vielen Kaninchenfreunden ist die Plattform www.nager-info.de ein Begriff – nein? Aber sicher doch! Vielleicht dann unter dem Titel www.diebrain.de?! Na also! Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem nicht in irgendeinem Forum oder in irgendeiner email ein Kaninchenhalter den Linktipp zu diebrain oder nager-info erhält. Es ist und bleibt ein umfangreiches, virtuelles Kaninchenlexikon und gehört somit zu einem gern und wiederholt besuchten Ort.

bunny-in fragt: Liebe Christine, Du hast mit der Plattform ein großes und sehr informatives Projekt geschaffen, welches täglich von vielen Ratsuchenden besucht wird. Das Portal besitzt einen immensen Umfang. Dahinter muss ein großes Wissen stecken, denn ohne das wäre eine solche Website kaum möglich. Wie bist Du dazu gekommen? Rein durch Tierbeobachtung oder auch durch Recherche?
„Bevor irgendein Thema auf meiner Homepage behandelt wird, recherchiere ich natürlich erst einmal sehr gründlich und intensiv. Ich tausche mich dazu mit vielen anderen Tierhaltern, Tierärzten und auch Züchtern aus. Ich lese Bücher, Dissertationen und Fachartikel und wenn ich den Eindruck habe, genug Hintergrundwissen zu haben, erstelle ich entsprechende Texte und versuche, das erworbene Wissen so schlicht und einfach wie möglich dem Halter näher zu bringen. Dann werden diese Texte noch einmal von Mitarbeitern der Nager Info gelesen, denn häufig kommen so noch weitere Tipps und Korrekturen in den Text. Natürlich werden manche Artikel auch in erster Linie durch Tierbeobachtungen angeregt, z.B. haben unsere eigenen Tiere mich immer mal wieder auf Dinge hingewiesen, durch Vorlieben bei der Futteraufnahme, Spielsachen die sie gern benutzen oder auch bestimmte Verhaltensweisen die auffielen. Fast alle Artikel auf der Homepage sind von mir, aber ich biete auch immer wieder anderen Haltern an, Artikel zu verfassen und bei mir einzustellen um das Angebot auf der Nager Info zu komplettieren.“

Wer denkt solche Informationen kann man einmal einstellen und dann gibt es keine Arbeit mehr damit, der hat sich getäuscht. Die Themen müssen immer wieder aktualisiert werden. Christine Wilde packt neues Wissen in überarbeitete Texte und stellt sie dann online.

Ihr Tagesablauf ist voll durchgeplant und mit nur wenigen freien Minuten bestückt. Um 7 Uhr werden die ersten emails gecheckt. Meist sind bereits die ersten Fragen von Besuchern der Homepage eingegangen. Um 8 Uhr wird gefrühstückt, bevor danach weitere emails beantwortet werden. Am Tag erreichen sie ungefähr 40 Anfragen per email und 10 Telefonanrufe rund um die Tierhaltung. Zahlreiche dieser Fragen wären eigentlich bereits beantwortet, wenn die Fragenden nur mal auf nager-info in Ruhe lesen würden. Doch Christine Wilde gibt nicht nur Antworten, sie schreibt weiterhin an diversen Artikeln oder ergänzt/verändert die Homepage. Sie liest Artikel und Facharbeiten und tauscht sich mit anderen aus. Momentan schreibt sie an einem Buch über Zwerghamster, welches im kommenden Jahr erscheinen soll.
 
Ungestört ist sie selten, denn es kommt hier und da die Bitte Krallen zu schneiden oder mit einem Tier zum Tierarzt zu fahren. Und dann sind da noch ihre eigenen Tiere, die ihr Gehege geputzt haben wollen, Futter brauchen und bespielt werden wollen. Um 19 Uhr gibt es eine Pause wenn der Ehemann von der Arbeit kommt und es wird zusammen gegessen. Aber auch danach steht das Telefon nicht still und werden weiter Mails beantwortet und Aufgaben in Foren wahr genommen.

„Ich könnte keine 40 Mails bearbeiten, wenn das alles Fragen wären, die nicht auf der HP beantwortet sind. Offen gestanden: nur für etwa 10 Mails am Tag muss ich mich wirklich anstrengen, muss selbst neu recherchieren und Bücher aus dem Regal ziehen. Der weitaus größere Teil der Fragen ist schon auf der HP beantwortet. Dann gebe ich nur eine kurze Zusammenfassung, gebe Links mit auf den Weg und schreibe den Haltern wo sie die Antwort finden. Anstrengend sind die vielen Verhaltensfragen, die per Mail schlecht zu beantworten sind, diese bewältige ich häufig auch nicht alleine und im Kaninchenbereich habe ich ja zum Glück das bunny-in, die mir hin und wieder Fragen abnehmen, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Ich arbeite nebenher auch an weiteren Büchern und kürzlich habe ich eine Aktion gegen Laufkugeln gestartet. Zu Ostern soll es eine Plakataktion gegen Käfighaltung von Kaninchen geben. Ich hoffe auch, dass wir Zeit und Geld finden, um unser Schaufenster in der Osnabrücker Innenstadt zu aktualisieren, dafür suchen wir auch noch weitere Anregungen.“

Was viele Website-Besucher nicht wissen ist, dass Christine Wilde und ein kleines Team regelmäßig an Infoständen anzutreffen sind.

„Mit unseren Kleintierinfos werden wir häufig einfach belächelt, denn jeder ist ja der Ansicht, dass er schon alles über Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster und Co weiß. Ständig hören wir dann Sätze wie: "wir hatten auch mal ein Kaninchen und ein Meerschweinchen im Käfig in der Küche" oder "mein Hamster liebt seine Laufkugel". Glücklicherweise sind wir meist zu dritt bei so einem Infostand und wechseln uns ab, so kann sich jeder schnell beruhigen, wenn ihn etwas ärgert. Natürlich kommen auch hin und wieder wirklich interessierte Tierhalter an so einen Stand und lassen sich in Ruhe informieren, so sind hier sogar schon Freundschaften entstanden. Viele Leute nehmen sich Flyer mit und wir hoffen dann einfach mal, dass sie doch nachlesen und mal auf die dort angegebenen Links gehen. Kinder mögen unsere Stände, weil wir Plüschtiere zum Spielen und kleine Leckereien mit dabei haben (lebende Tiere nehmen wir nicht mit) und häufig kommen wir so auch mit Kindern ins Gespräch, die nicht selten aufnahmebereiter sind, als ihre Eltern.“

Es ist erstaunlich, dass Christine Wilde sich neben all diesen Aktivitäten noch einem großen Thema widmen kann, nämlich der eigenen Nagerstation/Nagerhilfe.

bunny-in fragt: Wie viele und welche Tiere sind dort beherbergt und erhältst Du dabei Unterstützung, sei es personell oder finanziell?
„Wir nennen uns nur noch Nager Info, weil das unsere Arbeit am ehesten beschreibt. Die Hauptarbeit der Nager Info ist die Vermittlung und nicht die Aufnahme von Kleintieren. Wir nehmen nur selten Tiere auf, weil wir nur wenig Platz haben und wir meinen alle, dass es keinen Sinn macht Notfalltiere in Käfigen zu stapeln. Also hat jeder von uns nur eine kleine Anzahl Tiere bei sich Zuhause, die aus schlechten Verhältnissen kommen und die dann auch entgültig bei uns bleiben. Wir alle hier haben für uns fest gestellt, dass Tiere, die einmal hier sind, nur schlecht wieder abgeben werden können, überfüllte Gehege möchten wir nicht und neue, wirklich gute Tierhalter, die unseren Ansprüchen genügen zu finden ist ohnehin sehr schwer. So kommt es z.B. dass eine Mitarbeiterin und Freundin ihre Vermittlung nun eingestellt hat und die "übrigen" 34 Meerschweinchen einfach behält. Ich habe im Augenblick bei mir Zuhause gerade nur noch 10 Meerschweinchen, 2 Rennmäuse und 3 Lemminge. Dazu nehmen allerdings schon hin und wieder Notfälle in Quarantäne auf, bis sie gesund sind oder in ein neues Zuhause oder in eine Pflegestelle ziehen. Gerade wohnte z.B. ein ganz süßer Rammler in meinem Bad bis zur seiner Vergesellschaftung. In erster Linie versuche ich aber die Tiere, die mir gemeldet werden sofort in Pflegestellen oder an neue Halter zu vermitteln. Wir haben also keine Notstation im herkömmlichen Sinne. Es gibt viele Leute, welche die Nager Info unterstützen, sonst könnte ich das alles nicht aufrecht erhalten. Ich habe hier Leute die Tiere aufnehmen (vor allem für Kaninchen und Meerschweinchen), andere helfen beim vermitteln, nehmen an Infoständen teil, korrigieren Texte oder helfen bei der Recherche. Finanzielle Unterstützung bekomme ich nicht und will ich nicht. Ich versuche das Geld, dass ich für die Tiere und die Nager Info ausgebe auch selbst zu verdienen. Alles was ich mit meinen Büchern und Artikel verdiene, fließt deshalb voll in die Nager Info. Es reicht nicht immer, aber mein Mann unterstützt mich und die Nager Info sehr (er bezahlt z.B. die teure HP, die sich trotz dezenter Werbung noch nicht selbst trägt), Tierärzte geben Rabatte und Freunde helfen auch mal aus.“

bunny-in fragt: Sicherlich hast du schon sehr vieles in Sachen Tieren erlebt. Hast du eine schöne Geschichte/Erinnerung/Erlebnis, z.B. von einer erfolgreichen Vermittlung einem ganz besonderen Notfalltier durch die Nagerhilfe?
„Es gibt natürlich schon unzählige Happy Ends und schöne Geschichten, ohne diese hätte ich wohl auch schon längst aufgegeben. Mein schönstes Erlebnis war allerdings, als mein Vater endlich einsah, dass ich mich vielleicht doch ganz gut mit Kaninchen auskenne und er auf mich hören sollte, statt auf die Dame, deren Kleintierratgeber er so gerne las. Bis zu dieser Einsicht musste leider sein erstes Kaninchen alleine in einem Käfig leben, es bekam Drops und Knabberstangen und Trockenfutter und es endete, wie es zu erwarten war: zu früh, mit Kieferabszessen und Verdauungsproblemen und elend. Danach kam es bei ihm endlich zu einem Wandel, denn all das hatte ich ihm voraus gesagt. Nun hat er vier Kaninchen, 3 davon kommen aus schlechter Haltung. Er hat für die beiden robusten Kaninchen ein großes Pyramidengehege im Garten für die Nacht und den Garten eingezäunt, so dass die Tiere dort tagsüber frei laufen können. Die beiden empfindlichen laufen frei in der Wohnung und im Sommer benutzt zumindest Bruno auch die Katzenklappe und rennt auch im Garten herum und ich habe den Eindruck, bei ihm geht es den Kaninchen nun richtig gut. Solche Wandlungen zu einer guten Tierhaltung machen mich immer sehr glücklich, sie sind mein Hauptziel bei meiner Arbeit und ich erlebe so etwas zum Glück häufiger.“

Auch wenn Christine Wilde seit Kindesalter bereits viele Tierarten begleiten durfte, so hat sie sich persönlich nicht auf eine Tierart festgelegt. Natürlich spricht manche Tierart sie mehr an, doch bevorzugen tut sie keine. Momentan kann sie sich ein Leben ohne ihre Meerschweinchentruppe und Rennmäuse im Wohnzimmer sowie die Lemminge im Arbeitszimmer kaum noch vorstellen.

Christines Lebensmotto ist eher eine Grundeinstellung zum Leben:
Nehme es wie es ist und mache das Beste draus!
„Ich versuche in jedem Problem das Positive zu sehen und mich vom Negativen nicht unter kriegen zu lassen. Meine Ziele für die Zukunft sind auch eher schlicht: ich möchte noch sehr viel lernen und forschen. Ich möchte Tiere besser verstehen und ihren Bedürfnissen gerechter werden und das Gelernte weiter geben können.“

Dafür wünschen wir Dir von ganzem Herzen alles Liebe! Und wir sind uns sicher, dass Du das erreichen wirst.

bunny-in und Team sagen vielen Dank für das Interview! 

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