bunny-in stellt vor... Archiv

Februar 2009

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Susanne Oerke kam relativ spontan zum Kaninchen. Sie begann sich mittels Internet und über Fachbücher zu informieren, um den Tieren ein möglichst artgerechtes Leben zu bieten. Ihre Recherchen brachten ans Tageslicht, dass die possierlichen Langohren vollkommen unterschätzt werden. Noch dazu die falsche Beratung durch Industrie und Fachhandel zu Haltung, Ernährung und den Bedürfnissen. In ihr entstand der Gedanke etwas dagegen zu unternehmen. Dass daraus etwas so Großes werden würde, hat sie damals sicherlich noch nicht geahnt...

Sie setzte den Gedanken vernünftig aufzuklären und zu beraten um. Es entstand eine private Tierschutzinitiative, die auch vielen bunny-in Freunden ein Begriff ist und dank zahlreicher Informationen und Downloads geschätzt wird:


 

bunny-in: Liebe Susanne, Du hast mit sweetrabbits ein großes Projekt ins Leben gerufen. Wie fing bei Dir das Leben mit den Langohren an, wie bist Du dazu gekommen und wann entstand sweetrabbits – gab´s da einen Auslöser?
 
"Ja, klar gab's einen Auslöser - ohne dass ich es wusste. 2003 sprach ich mit einer Freundin darüber, wie niedlich ich Kaninchen finde und dass ich die Wildkaninchen auf unserem Grundstück so gern beobachte. Als eine Bekannte von ihr, ihre Häsin für die Kinder einmal zu Anschauungszwecken decken liess (*heute ohne Worte....), wurden 4 Junge geboren, eines war bereits versprochen und ob ich nicht Lust hätte, mir die anderen mal anzusehen. Da ich über ein großes Grundstück verfüge sowie 2 alte Pferdeställe, dachte ich damals: "warum nicht?" Ich liebe Tiere und bin mit ihnen aufgewachsen. Katzen, Meerschweinchen, Schildkröte... irgendwie war immer ein Tier da.
Ein Blick auf die kleinen Knäule genügte und ich war entflammt. Doch ich bin von Natur aus ein sehr gründlicher Mensch und autodidaktisch. Also begann ich das Lesen in Büchern und Internet, um mich zu informieren. Heute sage ich immer, es taten sich keine Welten auf, sondern Abgründe. Mein Bild von der Haltung dieser Tiere wurde nicht nur gründlich über den Haufen geworfen, sondern in mir regte sich auch etwas. Der Wunsch nach Aufklärung entstand. Als sich dann noch die Kaninchenhilfe bei mir meldete, ob ich nicht aktiv etwas tun möchte, da meine Internetseite schon sehr gut gemacht sei, trat ich bei. Was ich dort erfahren und gelernt habe, war die Initialzündung. Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht - mein Mann sagt heute immer: "Du musst mal ein Kaninchen gewesen sein". Ich habe einfach ein "Talent" für die Tiere. Als ich bei der Kaninchenhilfe nach 9 Monaten austrat, rief ich sweetrabbits in's Leben, denn ich sagte mir, wer helfen will, braucht keinen großen Namen, sondern muss sich nur in der näheren Umgebung umschauen und die Notfälle fallen direkt vor deine Haustür.
sweetrabbits existiert in dieser Form seit dem 01.03.2005. Ich habe mich beim zuständigen Veterinäramt erkundigt, einen §11 Schein erworben, wurde durch das Veterinäramt geprüft und los ging's."
Nicht nur Beratung und Aufklärung steht ganz oben in ihrem Tagesablauf. Sie gibt zahlreichen Not"fellchen" ein Zuhause, bis sie soweit sind ein Langohrtraumzuhause zu beziehen.

bunny-in: Wie kommen die Notfellchen zu Dir? Durch eigene Aufnahme oder wenden sich Menschen hilfesuchend an Dich?

"Durch die Auslage von Infoblättern in der Umgebung, zunächst über den persönlichen / telefonischen Kontakt sowie über meine Tierärztin. Inzwischen auch durch das Internet. Ich erhalte Mails mit Vermittlungswünschen oder dringenden Abgabegesuchen. Ich suche mir die Notfälle aus - dort, wo es mir am dringendsten erscheint, biete ich eine Übernahme der Tiere an. Meist werden sie mir gebracht und ich erkläre den Menschen die Vorgehensweise von sweetrabbits: tierärztlicher Check und Einstufung des Gesundheitszustandes des Tieres, Futterumstellung, ggfs. Behandlung und nach Freigabe durch meine Tierärztin dann Vermittlung in ein artgerechtes zu Hause."
 
Seit es sweetrabbits gibt wurden 94 Kaninchen aufgenommen. Davon konnten 71 Kaninchen erfolgreich vermittelt werden. Einige wenige blieben für immer bei ihr, auf der sogenannten Gnadenwiese. Aktuell stehen 5 Kaninchen in der Vermittlung.
Doch nicht nur die Langohren fanden über sweetrabbits ein neues Zuhause. Susanne konnte auch zwei Meerschweinchen helfen.
 
Susanne vermittelt in der Regel in einem Umkreis von 50-100 km rund um Seevetal (Niedersachsen). Besitzt jemand doch einen absoluten Superplatz, so fährt sie auch schon mal weiter. Natürlich wäre in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen/Vereinen eine Platzbesichtigung und eine Vermittlung "weiter weg" möglich. Dies macht sie jedoch äußerst ungern und das ist mehr als verständlich: "Ich überbringe meine Tiere lieber selbst und bin auch bei der Vergesellschaftung anwesend." Schließlich wurden die Kaninchen ihr anvertraut und so möchte sie die Tiere auch selbst weiter-anvertrauen können.
 
Lässt sie die letzten Jahre Revue passieren, so gibt es ganz besondere Erlebnisse, die ihr auch heute noch sehr nahe gehen, wie die von Etienne:
"Etienne kam aus einem "delikaten" Notfall: eine tierliebe Seele hatte leider einen Großvater, der Kaninchen nach der "alten Schule" gezüchtet hat. Als er verstarb, zeigte sich die Witwe immer noch uneinsichtig und wollte die Tiere lieber schlachten, als abzugeben und so holten wir in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 7 Tiere aus fürchterlicher Buchtenhaltung. 5 davon kamen zu mir: 4 Häsinnen und 1 unkastrierter Rammler. Ein deutscher Riesenschecke. Ich liess ihn kastrieren und hatte ihn bereits zur Vermittlung freigegeben, als sich zwischen uns eine besondere Bindung entwickelte. Also blieb er und im Nachhinein betrachtet muss man sagen, dass alle Tiere aus diesem Notfall durch die jahrelange schlechte Haltung einen gesundheitlichen "Ditsch" weghatten. Etienne wuchs quasi über Nacht ein kinderfaustgroßer Kieferabszess, meine Tierärztin räumte ihm kaum Chancen ein und meinte, dass nur eines von 1000 Kaninchen so etwas überstehen würde.
Wir kämpften 3 Wochen lang und überstanden es. Von dem Tag an verband mich mit Etienne etwas besonderes, dieses Tier schaute mir bis in die Seele. Einzig ständig gelber Schnodder an der Nase war ein Hinweis, dass da noch etwas sein musste. Schnupfen war's nicht und eine andere Erklärung gab es zunächst nicht. Es ging ihm gut, er nahm endlich zu und bekam wunderschönes Fell.
1 1/2 Jahre später platzte ein unerkannter Lungenabszess und Etienne musste überaschend eingeschläfert werden. Nie habe ich in der Praxis meiner Tierärztin so laut und hemmungslos geweint wie an diesem Tag."
 
Auch Susannes Tag hat nur 24 Stunden und daher wird sie tatkräftig von lieben Mitmenschen unterstützt. Die in der Nähe wohnenden sweetrabbits-Mädels kommen gelegentlich vorbei und packen mit an. Den Großteil macht sie jedoch alleine. Ihre Familie und ihre Freunde betrachten das Ganze mit sehr viel Respekt und tragen Informationen auch weiter.
"Manch einer denkt allerdings sicherlich, ich habe ein bisschen was am Kopf. Das macht mir nichts, ich stehe voll und ganz hinter meiner Sache."
 
Eine solche Tierschutzinitiative verschlingt natürlich eine ganze Menge an Kosten. Vieles trägt Susanne selbst, insbesondere jedoch die nicht gerade geringen Tierarztrechnungen werden durch Spenden und Patenschaften beglichen. Sie freut sich über jeden Euro, der den Tieren zugute kommen kann. An dieser Stelle auch nochmal ein herzliches Danke an alle Unterstützer und Freunde von sweetrabbits, die mit jeder noch so kleinen finanziellen Hilfe großes bewirkt haben. DANKE!
 
bunny-in unterstützt sweetrabbits: Von jedem Handbuchkauf, bei dem sich der Besteller auf eine Empfehlung von sweetrabbits bezieht, geht 1 Euro zugunsten sweetrabbits.
 
Liebe Susanne - herzlichen Dank für das Interview. Dir und sweetrabbits wünschen wir von Herzen weiterhin alles Liebe und Gute!

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