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Februar 2010

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Die Aufzucht und Pflege von Wildkaninchen und Feldhasen ist Schwerpunkt unseres Interviews für den Monat Februar. Als Gesprächspartner konnten wir Simone Franke von www.hasenartige.de gewinnen.

Du hast immer wieder mit Wildkaninchen und Feldhasen zu tun. Wie schätzt Du es ein, ist es schwerer einen Feldhasen aufzupäppeln oder ein Wildkaninchen?
Das kann man nicht pauschalisieren. Feldhasen erscheinen robuster, da sie als Platzhocker (d.h. bereits sehend, hörend und mit Fell) auf die Welt kommen. Wildkaninchenbabys hingegen werden eigentlich nur gefunden, wenn der Kaninchenbau durch Erd–, Garten– oder Baggerarbeiten zerstört wird. Die kleinen sind oft schon unterkühlt wenn sie in der Pflegestelle ankommen. Die Chancen einen 100g leichten Hasen durch zubekommen im Vergleich zu einem 40g Wildkaninchen, stufe ich persönlich als größer ein. Hasen sind widerum sehr stressanfällig. Es passiert durchaus, das ein Tier in den ersten 3 Tagen am Schock verstirbt, vor allem wenn noch Katzenbisse vorhanden sind.

Was sind die größten und meisten Fehler, die man als unerfahrener Finder macht?
Ganz klar, die Tiere der Natur zu entnehmen. Bei ausgebuddelten Wildkaninchen haben die Finder meine vollste Unterstützung, auch bei offensichtlich verletzten Feldhasen die bei Krähenangriffen beobachtet wurden. Das Gleiche gilt auch für Eichhörnchen, die dem Menschen hinterher laufen. Aber meist besteht kein Grund die Tiere ihrer gewohnten Umgebung zu entnehmen. Eine Handaufzucht von Wildtieren ist immer schwierig. Gerade bei unerfahrenen Personen kommt es häufig zum Sterben der Schützlinge, sei es durch die falsche Aufzuchtsmilch oder gut gemeinte Milchrezepte, falsche Unterbringung (Rotlichtlampe bis die Tiere gegrillt sind), Anwendungsfehler (Milch kommt beim Füttern in die Lunge) und die Tiere dann an einer Lungenentzündung sterben oder an Blähbäuchen und Durchfall zu Grunde gehen.

Was gibt es für Räumlichkeiten, um den Tieren beim Aufpäppeln/Pflegen gerecht zu werden?
Das ist je nach Pflegestelle unterschiedlich. Alle verfügen jedoch über Innen- und auch Außengehege. Ich selbst habe aus Platzgründen bislang noch nicht die Möglichkeit gehabt, die Tiere bei mir bis zum vollständingen Auswildern zu beherbergen. Diese Tiere gehen dann zum sogenannten Training in anerkannte Wildtierstationen, bevor sie zurück in die Natur entlassen werden. Durch unseren Umzug im Sommer 2009 habe ich aber auch bei mir eine gute Grundlage geschaffen, um in Zukunft die Tiere bis zur Auswilderung bei mir unterzubringen. Ich hoffe das wir schon 2010 völlig ungebunden auswildern können.

Fällt es Dir nicht schwer die Tiere wieder auszuwildern?
Nein, denn nur in der Freiheit sind gesunde Tiere richtig glücklich. Vom Fangen bis zum Umsetzen, das sind die beiden schwersten Momente. Geht nichts schief? Bricht keiner in Panik aus? Steht man nicht stundenlang im Stau? Kommt das Tier wieder aus der Box oder stirbt es am Stress? Wenn die Tiere dann umgesetzt sind, ist es für mich der größte Moment. Es ist die Belohnung für die vielen Stunden, die man aufgewendet hat und dann sieht, wie sie in die Freiheit gehen.

Gibt es "Wildies" (Wildkaninchen oder Feldhase) die man nicht mehr auswildern kann und warum ist das dann so? Wie hält man die dann?
Leider passiert das immer wieder. Sei es durch Beinbrüche, die nicht mehr richtig zusammenwachsen. Sei es durch schwerwiegende Augenverletzungen (ein Auge wurde entfernt) oder durch farbliche Mutationen. Einen weißen Albino Feldhasen kann man aus Tierschutzgründen nicht mehr auswildern, denn das wäre sein sicherer Tod. Wildtiere brauchen zudem alle Sinne die sie haben. Auch der Bewegungsapperat muß völlig intakt sein, sonst hat ein Wildtier keine Chance. Dadurch das die Lebensräume immer mehr durch neue Wohnsiedlungen und Einkaufsparadise schrumpfen, ist es ohnhehin schon schwer. Dazu kommt der Strassenverkehr, die chemisch behandelten Felder, Jäger und zu guter letzt Fressfeinde und ungünstige Witterungsverhältnisse. Die Frage ist ganz klar, kann man die Wildtiere halten? Unser Feldhasenschützling Zwille hätte man nicht in Gefangenschaft halten können. Damit hätte man ihm keinen Gefallen getan. Für uns Pfleger ist es immer schwierig, für die uns unterstellten Schützlinge, den richtigen Weg zu finden. Steht von Anfang an fest, das Tier nicht mehr in die Freiheit entlassen zu können, ist die enge Bindung zum Menschen sehr wichtig. Gerade beim Hasen ist ganz schnell der „Schalter umgelegt“ von zahm auf wild. Und dann wird es zum Problem für alle Beteiligten. Wichtig sind große abgesicherte Außengehege mit Artgenossen. In Deutschland gibt es nur wenige Pflegestellen, die über solche Wildtiergehege verfügen.

Gibt es auch Fälle, die Ihr ablehnt? Wenn ja, welche?
Nein, eher im Gegenteil. Es ist schon passiert, dass wir abgelehnt wurden, weil man den Hasen für die Kinder doch so süß und niedlich fand! Dass sich das Tier sind in einer 40x40cm Plastikbox befand und sich nicht bewegen konnte, spielte für die Finder dabei keine Rolle. Sowas ist für die Tiere tragisch und bereitet uns Bauchschmerzen. In solchen Fällen versuchen wir das Veterinäramt einzuschalten und die zuständigen Behörden zu alarmieren, doch nicht immer kommt diese Hilfe rechtzeitig. Hingegen bei Hauskaninchen-Notfällen lehnen wir häufiger ab, da wir (un)seriöse Züchter nicht unterstützen und oftmals gar nicht den Platz haben, um alle Notfalltiere unterzubringen.

Wie kommt Ihr mit Euren finanziellen Mitteln zurecht, um die laufenden Kosten zu decken?
In erster Linie über Wildtier-Patenschaften und Spenden über unsere Homepage. Dies reicht jedoch nicht mal ansatzweise aus, um die Kosten zu decken. Im großen und ganzen finanziere ich die Aufzucht meiner Wildtiere selbst, so wie das jede Pflegestelle von unserem Team das tut. Hinzu kommen noch die Kosten, um Fahrten quer durch Deutschland zu organisieren, z.B. für die Auswilderung. Die tierärztliche Betreuung sowie die Aufzuchtsmilch und die benötigten Medikamente fallen noch zusätzlich als Kosten ins Gewicht.

Bekommt Ihr mehr Anfragen zu Wildtieren oder zu den normalen Heimtieren?
Das ist unterschiedlich. Zur Wildtiersaison häufen sich die Nachfragen zu den Wildtieren, so dass einem diese Anfragen „mehr“ erscheinen. Aktuell brennt es an allen Ecken und Enden bei den Haus- und Heimtieren. Das Telefon steht hier praktisch nie still.

So etwas nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Arbeitest Du beruflich von zuhause aus und kannst so permanent da sein oder wie kannst du das umsetzen?
Ich arbeite in Teilzeit und habe einen sehr kurzen Arbeitsweg, so dass ich zwischendurch nach Hause kann. Ebenso besteht die Möglichkeit, Pflegefellchen mit zur Arbeit zu nehmen, um sie rund um die Uhr zu betreuen. Dadurch sind aber auch meine Plätze begrenzt, denn jedes Tier braucht viel Zeit und Aufmerksamkeit.

Ihr bietet ja Hilfe und Unterstützung für viele Tiere an (Eichhörnchen, Waschbären, Kaninchen etc.). Wie habt Ihr euch das ganze Wissen angeeignet?
Das hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt und durch meine damalige Arbeit im Tierheim blieb mir gar nichts anderes übrig. Hätte ich nicht versucht mir mein heutiges Wissen anzueignen, wären viele damals gestorben. Durch diese Arbeit habe ich auch die Kontakte zu den Waschbär- und Vogel-Pflegern aufgebaut. Man selbst kann nur eine begrenzte Anzahl von Tieren aufnehmen. Eine Erstversorgung ist hier aber immer gegeben. Mit www.hasenartige.de versuchen wir eine Plattform zu schaffen, wo mehrere Tierarten abgedeckt sind und für jede Tierart haben wir unsere speziellen Ansprechpartner.

Die Freizeit ist ja sicher knapp bemessen. Wie verbringt Ihr diese?
Zur Wildtiersaison stellt sich die Frage nach Freizeit praktisch gar nicht. Urlaube und andere Aktivitäten werden auf die Jahreszeiten gelegt, in denen kaum Wildtiere gebracht werden. Da ich hier in meiner Pflegestelle zusätzlich eine Gruppe von Hauskaninchen mit Zahnfehlstellungen habe, ist die Freizeit generell sehr begrenzt.
 

Liebe Simone, wir sagen herzlichen Dank für das Interview!
 

 

 

 

Banner und Fotos sind Eigentum von Simone Franke bzw. www.hasenartige.de und urheberrechtlich geschützt!  
 

 

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