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Januar 2010

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Das Jahr 2010 möchten wir direkt mit einer sehr interessanten und vielseitigen Gesprächspartnerin beginnen, die viele Kaninchenfreunde durch ihre wunderschönen Fotografien und ihre Bücher sicher kennen werden: Heike Schmidt-Röger.

 

Liebe Frau Schmidt-Röger,
Sie bieten ein unheimlich breites Spektrum an interessanten Themengebieten. Sie machen wunderschöne Fotografien, besitzen eine Bilddatenbank, schreiben Tierbücher oder Artikel über Tiere für diverse Fachmagazine… Es fällt schwer auszuwählen mit welcher Frage man da anfangen soll.

Wie kommt man zur Tierfotografie? Griff zur Kamera und los“knipsen“ oder benötigt man neben Talent und dem richtigen Werkzeug auch eine Ausbildung?
Eine Ausbildung ist natürlich immer von Vorteil, da der künftige Fotograf sein Handwerk dann von der Pieke auf lernt. Mir haben die Jahre als freie Mitarbeiterin für unsere Tageszeitung viel Praxis gebracht, sowohl was die Bildgestaltung, die Technik als auch den Umgang mit den Fotomodells bringt – Menschen sind meiner Meinung nach oft wesentlich schwieriger zu fotografieren als Tiere. So habe ich mich sozusagen an Menschen ausprobiert, privat waren aber schon immer meine Tiere meine Lieblingsmotive. Zusätzlich ist das Studium von Fachbüchern und Zeitschriften sehr hilfreich. Und Sie haben es schon angesprochen, ohne die richtige Ausrüstung ist Tierfotografie wirklich sehr schwierig.

Haben Sie ein eigenes Fotostudio oder wo lichten Sie die Tiermodels ab?
Hunde fotografiere ich beim Spaziergang oder in ihrem gewohnten Umfeld. Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen etc. lassen sich sowieso am besten in ihrem gewohnten Umfeld fotografieren, da eine andere Umgebung für die meisten dieser Tiere Stress bedeutet.

Wie lange dauert es, ein vernünftiges Tierfoto zu schießen?
Das ist ganz unterschiedlich, hängt vom Tier und den Begleitumständen ab. Manchmal ist das Bild ganz schnell im Kasten, ein anderes Mal dauert es zwei Stunden und gelegentlich kommt das gewünschte Bild auch gar nicht zustande. Darauf muss sich ein Tierfotograf einstellen.

Ist das für Tiere nicht besonders stressig bis ein gutes Bild im Kasten ist?
Meiner Meinung nach ist es Voraussetzung für ein gutes Bild, dass das Tier eben nicht gestresst ist. Ein Hund, der nur mit starkem Druck seine Position hält, eine Katze oder ein Kaninchen, die verschreckt in die Kamera schauen, sehen nicht schön aus und stellen auch nicht das dar, was ich zeigen möchte. Ich habe schon häufiger Shootings abgebrochen, wenn ich das festgestellt habe. Es gibt Tiere, die genießen die Aufmerksamkeit und bieten sich der Kamera regelrecht an, das sind die besten Modells. Gut erzogene Hunde lassen sich in der Regel gut lenken und können auch etwas gefordert werden, gezwungen werden darf aber kein Tier. Manchmal muss ich die Tierhalter sogar bremsen, wenn sie zu großen Ehrgeiz an den Tag legen. Die meisten Hunde haben richtig viel Spaß beim Shooting. Dafür ist es natürlich wichtig, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen und Pausen einzuplanen. Das Erfolgsrezept ist im Grunde ganz einfach – ein Tierfotograf muss sich auf das Tier einstellen.

Welches sind Ihre Lieblingsmotive?
Meine Lieblingsmotive sind unsere Hunde. Besonders unser Dackel Paul (Foto) ist ein echtes Profimodell und hat viel Spaß bei „seiner Arbeit“. Bei anderen Tieren kann ich das gar nicht so verallgemeinern. Im Grunde begeistere ich mich immer für die Tiere, die ich gerade fotografiere, ob nun Hund, Katze, Kaninchen oder Nager. Natürlich gibt es immer wieder einmal einzelne Tiere, die ich besonders gerne fotografiere, doch das liegt dann eher an der Persönlichkeit des Tieres und seiner Ausstrahlung.

Oft wird davor gewarnt ein Tier mit Blitzlicht zu fotografieren, da es epileptische Krankheiten auslösen könnte. Haben Sie darüber etwas gehört und wie ist Ihre Meinung/Erfahrung dazu?
Ich muss gestehen, dass mir das neu und bei meiner Arbeit bisher auch noch nicht vorgekommen ist. Ich spreche mich vorher immer mit den Haltern der Tiere ab und diese können sagen, ob sie Bedenken bei bestimmten Aufnahmen haben. Da muss ich dann auf den Halter vertrauen, der sein Tier ja am besten kennt. Und wenn dieser eine entsprechende Erfahrung mit seinem Tier gemacht hat, wird natürlich ohne Blitz gearbeitet.

Tipps vom Profi: Wie kann man als „Normalo“ seine Kaninchen auf dem Foto besser ins rechte Licht rücken? Gibt es etwas, was man vermeiden sollte (z. B. den Tierkopf von vorne fotografieren, bestimmte Hintergründe)?
Begeben Sie sich auf die Ebene des Tieres – bei einem Kaninchen heißt das dann, sich auf den Boden zu legen.
Vermeiden Sie zu unruhige Hintergründe. Bietet sich dafür in der Wohnung kein Platz kann, kann der Hintergrund mit einer schönen einfarbigen oder ganz dezent gemusterten Decke abgehängt werden. Achten Sie auch darauf, dass keine Gläser, Flaschen, Mülleimer etc. im Hintergrund zu sehen sind.
Geben Sie dem Tier Zeit, sich an die Situation zu gewöhnen. Vermeiden Sie hektische Bewegungen und setzen Sie weder das Tier noch sich selbst unter Druck. Gelingt das Bild nicht heute, dann vielleicht morgen oder übermorgen.
Eine zweite Person als Helfer ist immer sinnvoll. Diese kann sich um das Kaninchen kümmern, während Sie sich auf das Fotografieren konzentrieren.
Gehen Sie möglichst nah an das Tier heran, damit es nicht nur als kleiner Punkt auf dem Foto zu sehen ist.

Die Wahl einer geeigneten Kamera für den Privatbedarf ist immer sehr schwer. Auch das Tipps geben ist meist schwierig, weil es ja von den Bedürfnissen des Fotografen abhängt. Gibt es dennoch ein preisgünstiges Modell was Sie empfehlen könnten oder worauf es bei der Kamerawahl ankommt?
Wer sich ernsthaft mit Tierfotografie beschäftigen will, kommt um eine Spiegelreflexkamera nicht herum. Diese löst schneller als eine Kompaktkamera aus und bietet mehr Einstellungsmöglichkeiten. Die Einsteigermodelle der verschiedenen Hersteller sind gerade für den Anfänger durchaus gut geeignet und lassen sich meist auch leicht bedienen.

Ihre Bilder werden von Verlagen für diverse Bücher, Kalender und Postkarten genutzt. Hat man als Fotograf hier ein gewisses Mitspracherecht wo die Fotos erscheinen oder gibt es Käufe, von denen sie nicht weiß wo die Fotos dann veröffentlicht werden?
Mit Ausnahme meiner über die Agentur Blickwinkel vermarkteten Bilder weiß ich immer im Vorfeld, für welche Projekte meine Fotos verwendet werden.

Können Sie sich noch an das Gefühl erinnern, als Sie zum ersten Mal ein Foto in einem Buch entdeckt/gesehen haben? Wissen Sie noch, welches Foto das war?
Meine ersten Bilder sind 2002 in einem Windhundbuch erscheinen, eines davon zeigt ganzseitig meinen Mann mit unserem Afghanischen Windhund Shalim am Strand. Das Foto so groß in einem Buch zu sehen, hat mich natürlich mit Stolz erfüllt.

Sie sind auch Autorin zahlreicher Bücher und Artikel. Kaninchenhalter kennen Ihr Buch „Wohnen mit Kaninchen“, das wir im bunny-in auch als Buchtipp empfehlen. Wie kam es dazu sich mit diesem Thema zu befassen, hauptsächlich gibt es ja Hundebücher von Ihnen?
Kaninchen gab es schon zu Hause, als ich noch ein Kind war und auch mein Mann und ich hatten Kaninchen. Es sind einfach tolle Tiere mit ausgeprägter Persönlichkeit, die ein spannendes Verhaltensrepertoire zeigen, wenn sie sich in ihrem Lebensraum entfalten können.

Wie lange arbeitet man an einem Buch wie „Wohnen mit Kaninchen“?
So etwa ein Dreiviertel Jahr von der Konzepterstellung bis zur Manuskriptabgabe.

Gab es dafür den Verlag schon und stand das Thema schon vorher fest bzw. wurde festgelegt?
Der Verlag ist mit diesem Thema an mich herangetreten – und ich habe mich natürlich schnell für die Idee begeistert.

Wenn Sie zurück überlegen, wie schwierig ist es eine Buchidee mit einem passenden Verlag auf den Markt zu bringen? Wie lange dauert so etwas?
Ich habe das große Glück, dass die Verlage meistens mit ihren Buchideen an mich herantreten. Bei anderen Büchern kommt es darauf an, ob ein Thema gerade aktuell ist bzw. gewünscht wird. Mitunter kann das ganz schnell gehen, wie beim Buch „Wenn Hunde älter werden“. Beim Buch „Der Podenco Ibicenco“ hat es länger gedauert, da die meisten Verlage kein Potenzial in diesem Thema sahen. Aber meine Mitautorin Susanne Blank und ich waren hartnäckig und wir fanden eine Lektorin, die das Thema überzeugt und die sich dafür eingesetzt hat. Der Erfolg des Buches hat unser Engagement bestätigt.

Ihrer Homepage www.schmidt-roeger-foto.com konnten wir entnehmen, dass Sie mit vielen Tieren Ihr Leben teilen. Zählen dazu aktuell auch Kaninchen und wenn ja, möchten Sie dazu etwas erzählen? Oder gibt es eine besondere Kaninchengeschichte? Oder wie waren die Anfänge Ihrer Kaninchenhaltung?
Momentan leben mit meinem Mann und mir nur unser Dackel Paul und unsere Greyhound-Dame Lizzy. Wegen eines bevorstehenden Umzugs hatten wir uns vor einiger Zeit entschlossen, die Kleintierhaltung auslaufen zu lassen. Zudem nimmt meine Arbeit immer mehr Zeit in Anspruch. Als Kind kannte ich die Kaninchenhaltung in Ställen. Es waren zwar „Schlachthasen“, doch mein Vater hat es nie über das Herz gebracht, die kleinen Langohren tatsächlich zu schlachten. Später habe ich mit meinen Kaninchen den fast klassischen Weg durchgemacht: Im Laden den größten Käfig gekauft, der vorrätig war. Doch das reichte mir nicht für die Kaninchen und dann gab es einen zweiten Käfig mit Verbindung dazu. Schon bald wollte ich mehr für die Tiere und so haben wir einen Teil der Wohnung abgetrennt.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Hetzen Sie von einem Termin zum nächsten, schreiben zwischendrin an Artikeln oder Büchern oder wie muss man sich das vorstellen?
Für die sonnigen Tage, wenn Fototermine auf dem Plan stehen, haben Sie das ganz gut beschrieben. Abgesehen von der Zeit, die ich während der Termine unterwegs bin, sitze ich am Computer, beschäftige mich mit der Bearbeitung der Fotos, schreibe an Büchern bzw. Artikeln, redigiere Texte anderer Autoren oder pflege meine Homepage. Die Wochenenden sind meist mit Arbeit verplant, mein Arbeitstag endet in der Regel erst spätabends und während der heißen Phasen von größeren Projekten gibt es auch häufiger Nachtschichten. Es ist mir aber wichtig, mir ausreichend Zeit für die Spaziergänge mit meinen Hunden zu nehmen.

Ist das was Sie machen Ihr Traumberuf, den Sie sich erfüllt haben?
Auf jeden Fall! Ich kann mich mit Tieren und meinen liebsten Tätigkeiten beschäftigen. Zudem ist meine Arbeit abwechslungsreich und ich lerne viele nette Menschen und Tiere kennen.

Angenommen Sie hätten jetzt keinen tierischen Beruf, könnten Sie sich ein Leben ohne Tiere vorstellen?
Nein, ohne Tiere geht es bei uns nicht!

Liebe Frau Schmidt-Röger, wir sagen herzlichen Dank für das Interview!
 

 

 

 

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