bunny-in stellt vor... Archiv

Juni 2010

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Es wurde langsam Zeit wieder einmal ein Team vorzustellen, dass sich u.a. um Kaninchen kümmert, die ein neues Zuhause suchen.  

Wie kam es dazu diese Gruppe zu gründen?
Vor einigen Jahren sprachen uns Mitglieder des örtlichen Tierschutzverein an, ob wir nicht im TSV mitarbeiten und insbesondere den Kleintierbereich des Tierheims übernehmen möchten. Das Tierheim wurde 2006 vom TSV übernommen und so konnten wir von Anfang an unsere Vorstellungen und Konzepte einbringen. Damit das Kind einen Namen hat, waren wir dann relativ schnell die „Kleintiergruppe“.

Wieviele Helfer habt Ihr derzeit? Bzw. gibt es ein festes Team?
In unserer Gruppe sind wir ca. 25 Leute, davon gehören ca. zehn Leute zum harten Kern, die eigentlich immer dabei sind, wenn es darum geht, etwas zu planen oder zu bauen. 
Das Herz unserer Gruppe besteht aus dem Vermittlungsteam, das sind fünf Mitglieder, die alle Kleintiere aus dem Tierheim eigenverantwortlich vermitteln. Wir vertreten dabei die „One Man“-Methode, d.h. die Interessenten kommen ins Tierheim und haben von da an einen festen Ansprechpartner, der das zukünftige Zuhause abklopft, Tipps gibt, die Überbringung des Tieres plant und auch nach der Vermittlung der Hauptansprechpartner bleibt.
Einige regelmäßige Arbeiten sind aufgeteilt, so gibt es eine Person, die alle Email-Anfragen bearbeitet und eine andere, die unser Kleintiertelefon betreut.
Dann haben wir noch fleißige Mitglieder, die sich zum einen um die TH-Homepage und auch die eigene Seite der Kleintiergruppe kümmern oder Texte für unsere Homepage schreiben. Nicht zu vergessen die Mitglieder, die regelmäßig im Tierheim mithelfen, d.h. füttern – ausmisten usw.

In welcher Verbindung steht Ihr zum Tierheim und wie sieht die gemeinsame Arbeit aus?
Die Kleintiergruppe vermittelt vollkommen eigenständig alle Kleintiere aus dem Tierheim. Wir machen die Vorgespräche, schauen uns das neue Zuhause an, planen und führen Zusammenführungen durch. In seltenen Fällen stellen wir Tiere, die besonders behandelt werden müssen, – meist auf unsere Kosten – bei anderen Tierärzten vor. Besonders pflegeintensive Tiere versuchen wir auf unseren Pflegestellen unterzubringen. 
Das Tierheim-Team leitet Anfragen an uns weiter, kümmert sich aber während der Woche um die Kleintiere. D.h. sie füttern und verteilen Medikamente. Die Wochenend-Betreuung ist komplett durch unsere KTG-Mitglieder abgedeckt.
Wir haben im Tierheim die Gehege gebaut und freie Hand bei der Einrichtung aller Gehege.

Zu welcher Tierart habt Ihr die meisten Anfragen?
Die meisten Anfragen gibt es zu Kaninchen und Meerschweinchen. 

Habt Ihr viele Interessenten, die Euch gerne unterstützen möchten bei Eurer Arbeit? Und wie kann man das tun, z.B, wenn jetzt Leser des bunny-in Euch gerne helfen wollen?
Am besten können wir Hilfe vor Ort gebrauchen, d.h. Ehrenamtliche, die in der Woche vormittags Zeit hätten, sich um die Tierheim-Kleintiere zu kümmern und so das Tierheim-Team entlasten. Da die meisten von uns berufstätig sind, können wir leider nur am Wochenende direkt im Tierheim helfen. 
Es gibt sehr häufig Anfragen von Leuten, die sich als Pflegestelle zur Verfügung stellen wollen. Das lehnen wir in der Regel ab, da wir nach Möglichkeit ohne Pflegestellen arbeiten wollen, da es wesentlich einfacher ist die Tiere zu vermitteln, wenn die Menschen sie gleich live und in Natura sehen.
Eine tolle Unterstützung ist aber auch schon, wenn bei unseren Partner-Shops etwas für unsere Tierheimtiere bestellt wird, das für sie dann eine schöne Abwechslung zum normalen Tierheimfutter darstellt. Einige dieser Shops haben spezielle „Tierheim“-Mischungen im Angebot, über die sich unsere Tiere riesig freuen würden! Aber auch normale Sachen wie Heu und Streu werden immer benötigt.
Finanzielle Hilfe in Form von Spenden hilft uns, dass wir Tiere, die besonderer Behandlung bedürfen, speziellen Ärzten vorstellen können oder besonderes Futter für Nahrungspezialisten (z.B. Chinchillas) kaufen können.

Bei welchen Kleintieren besteht Eurer Meinung nach noch der größte Aufklärungsbedarf zur richtigen Haltung?
Im Grunde bei JEDER Kleintierart. Da bei uns am meisten nach Kaninchen und Meerschweinchen nachgefragt wird, sind wir in diesem Bereich natürlich am besten mit Infomaterial ausgestattet, so haben wir zum Beispiel eine Infowand, an der Bilder von vielen Gehegen hängen. Aber auch für alle anderen „gängigen“ Kleintierarten können wir Tipps zur Haltung geben. 
Es fällt aber auf, dass immer mehr Interessenten ins Tierheim kommen, die bereits sehr gut informiert sind. Nur wenige kommen direkt aus dem Zoo-Fachhandel und präsentieren ihr dort erworbenes, falsches Wissen. Aber auch die bekommen wir meistens wieder schnell in die Spur.

Habt Ihr sehr viele Urlaubsanfragen und holen auch alle ihre Tiere wieder ab?
Unsere Urlaubsplätze sind sehr begrenzt und für diese Sommerferien schon komplett ausgebucht. Wir nehmen hauptsächlich von uns vermittelte Tiere zur Pflege auf, da ist die Gefahr des Nicht-Abholens gleich Null. 

Beschreibt doch mal einen typischen Tag von früh bis spät.
Eigentlich gibt es für uns keine typischen Tage im Tierheim, denn wir sind ja nur am Wochenende und zu unseren Vermittlungszeiten vor Ort. 
Wenn wir im Tierheim sind, wird beraten, informiert, vermittelt, gehämmert, gebastelt, gefüttert, gemistet und verwöhnt. Je nachdem was anfällt und welche Projekte wir derzeit in Arbeit haben. Es wird also nie langweilig und so macht auch die Arbeit einfach Spaß.

Gibt es eine besondere Geschichte zu einem Notfellchen, die Euch hängengeblieben ist?
Wir finden es immer wieder erstaunlich, dass viele der Tiere, die zu uns kommen, anfänglich sehr verstört und ängstlich oder gar aggressiv sind, sich schon nach relativ kurzer Zeit im Verhalten ändern und vollkommen normale, freundliche Tiere werden. Es ist definitiv so, dass eine Haltung mit Platz und Artgenossen für die meisten Tiere ein lebensnotwendiges Muss ist!
Natürlich gibt es Tiere, deren Schicksal man nicht vergessen kann… 
Die Häsin Mykonos, ein schwarzes Riesenmix-Kaninchen, kam im Frühjahr 2009 als Fundtier ins Tierheim. Sie war hoch aggressiv, griff sogar die Pfleger an, wenn sie zum Füttern ins Gehege kamen. An Anfassen war nicht zu denken… Mehrere Versuche Mykonos zu vergesellschaften schlugen fehl, sie war einfach viel zu dominant und auch aggressiv zu anderen Tieren.
Einige Zeit später entschlossen wir uns, Mykonos kastrieren zu lassen. Die Operation und die Nachbehandlung schlugen sehr gut an. Nachdem die Wunden vollständig verheilt waren, haben wir Mykonos einen fast ausgewachsenen Riesen präsentiert. Sie war wie umgewandelt, hüpfte albern durch die Gegend, machte aber überhaupt keine Anstalten, ihn fertig zu machen, wie die anderen Tiere zuvor.
Seitdem ist Mykonos schwer in ihren großen Pireäus verliebt! Egal wann man ins Gehege schaut, die beiden sitzen immer kuschelnd über- oder nebeneinander! Und das Bestes: Dieses Traumpaar ist noch zu haben!
Aber auch eine Gruppe von Chinchillas, die wir aus erbärmlichsten Verhältnissen geholt haben: Sie lebten in einem winzigen Käfig von DIN A4 Größe, zu dritt! Sie hatten keinen Auslauf, kein Sandbad – wie sollte das auch in diesen Käfig noch reinpassen, minderwertiges Hamsterfutter zum Fressen und sollten als Zuchttiere herhalten, standen in einem zugigen Flur… Wir richteten ihnen einen ehemaligen Hundezwinger als Gehege ein, bauten noch Regale an die Wände und sie bekamen ein großes Sandbad. Es war unfassbar schön, wie die kleinen strubbeligen Kerle mit ihrem ungepflegten Fell sich sofort in das Sandbad stürzten und dann das Gehege erkundeten. Heute leben die drei in einem tollen Selbstbau und sind so fröhlich wie nie.

bunny-in wünscht Eurer Gruppe noch viele dieser Happy-endings und sagt herzlichen Dank für das Interview.

 

 

 

Banner und Fotos wurden uns von der Kleintiergruppe Oldenburg für dieses Interview zur Verfügung gestellt - vielen Dank!  

 

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