bunny-in stellt vor... Archiv

März 2009

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Jeden Monat versuchen wir interessante Menschen, aber auch Vereine vorzustellen, die einen Großteil ihrer Zeit mit Kaninchen verbringen. In den vergangenen beiden Monaten haben wir private Organisationen vorgestellt. bunny-in Teammitglied Silke besuchte im Februar das Tierheim des Tierschutzverein im Landkreis Biberach e.V., welches wir nachstehend vorstellen möchten:


Für alle denen Biberach nichts sagt: Es liegt in Baden-Württemberg, grob gesagt in der Nähe des Bodensees, zwischen Ulm und Ravensburg. Bereits seit 1939 gibt es den Tierschutzverein dort. Nach einer grundlegenden Sanierung wurde das "neue" Tierheim 1995 eingeweiht.

An diesem 18. Februar war auch Inge Seidel eine der Besucherinnen dieser Einweihung. Dieser Tag hat tiefe Spuren hinterlassen, denn Inge Seidel gehört seitdem (und inzwischen auch als ehrenamtliches Vorstandsmitglied) zum festen Bestandteil des Tierheims:

Inge Seidel: "Ich bin seit 1995 dabei. Ich kann mich noch gut erinnern, ich besuchte damals mit einer Freundin das damalige Tierheimfest, welches auch gleichzeitig die Einweihung des neues Tierheimes war. Mein Interesse an einer Mitarbeit wurde an diesem Tag geweckt. Als Start übernahm ich den Fachbereich Vermittlungen von im Tierheim abgegebenen Vögeln, den ich heute noch betreue. Ich empfang außerdem noch interessierte Besucher im Eingangsbereich. Stolz habe ich nach einer gewissen Zeit dann eine Vogelvoliere fürs Tierheim gesponsert. Später sprach mich der 1. Vorstand an, ob ich zusätzlich den Kleintierbereich übernehmen möchte. Um in diesem Bereich ausreichend kundig zu werden, habe ich mein Wissen durch die Ruth Morgenegg Bücher intensiviert. Dank einer Erbschaft bekam das Tierheim etwas Geld, welches dem Kleintierbereich zugute kommen sollte. Mir gelang es einen Architekten an Land zu ziehen, der ehrenamtlich das heutige Kleintierhaus entworfen hat. Nach Fertigstellung war ich dann also Hauptverantwortliche für den Kleintierbereich."

Im Tierheim Biberach leben die Kaninchen in Gehegen im Innenbereich oder aber in einem großen Gehege im Außenbereich. Sie bekommen so eine Menge Platz sich zu bewegen.

bunny-in: Sie kümmern sich überwiegend um den Bereich Kaninchen. Wie sieht Ihre Arbeit dahingehend aus?
Inge Seidel: "Die Arbeit ist sehr vielseitig. Unter der Woche arbeite ich von zuhause aus. Ich nehme Unterlagen (z.B. Anfragen oder Abgaben) mit, die sich in meinem Fach angesammelt haben. Ich führe dann mit den Interessenten Telefonate und mache mich mit ihnen vertraut. Die Gespräche umfassen die Beratung zur Haltung im Innen- oder Außenbereich, Ernährung bis hin zu den allgemeinen Bedürfnissen der Tiere. Freitag und Sonntag bin ich dann vor Ort im Tierheim. Dort treffe ich mich dann mit den bereits kontaktierten Personen. Auch interessierte Besucher werden von mir an diesen Tagen beraten. Da gibt es dann meist allerhand und viel zu reden. Abgaben und Vermittlungen finden dann auch Freitags und Sonntags statt. Es gibt Pfleger, die sich täglich um das Wohl der Kleintiere kümmern, wie ausmisten und füttern. Für die Medizingabe und die Tierarztgänge sind auch die Pfleger zuständig und am Wochenende die Tierheimleitung. Für die Kuscheleinheiten kommen sehr oft zwei nette junge Mädchen."

Klingt nach einem entspannten Alltag, doch wer einmal mehrere Tage im Tierheim gearbeitet hat, ein Praktikum machen konnte oder aber ehrenamtlich ein Tierheim unterstützt, der weiß - Tierheimtätigkeiten sind alles andere als entspannt! Der Tagesablauf muss gut strukturiert sein, damit man sich um all die Tiere kümmern kann. Der Tierschutzverein hat aktuell 9 Angestellte in Teilzeit sowie 10 ehrenamtliche Mitarbeiter und das für ca. 200 Tiere. Weiterhin gibt es noch freiwillige Mithelfer, über deren Engagement das Tierheim Biberach sehr dankbar ist.  

Der Tierschutz verschlingt eine nicht gerade unerhebliche Summe an Geld. Ein Tierheimtag kostet ca. 650,- Euro (Personal, Tierarzt, Futter usw…) laut den Berechnungen des Tierheims Biberach aus dem letzten Jahr. Der Tierschutzverein im Landkreis Biberach e.V. ist für die Finanzierung von mehr als 90 % davon selbst zuständig. Nur mit Hilfen (Mitgliedschaften, Spenden, Patenschaften) ist dies zu bewältigen.

Inge Seidel: "Wir haben in diversen Lebensmittelläden sogenannte Futterboxen stehen. Es gibt auch einige Großmärkte, die Futter spenden, worüber wir sehr dankbar sind. Einmal jährlich findet unser Tierheimfest statt, durch das wir dank der Besucher spontane Spenden erhalten. Bei Abgabetieren werden auch oft Gehege oder Volieren gespendet."

Neben den Spenden kommen über Tierpatenschaften, die das Tierheim vergibt, noch Gelder in die Kasse.
Inge Seidel: "Es gibt immer wieder Tiere in unserem Heim, deren Vermittlungschancen aus unterschiedlichen Gründen sehr gering sein können. Der zum Teil oft jahrelanger Aufenthalt im Tierheim ist verständlicherweise mit einem großen Kostenaufwand verbunden. Dem Tierschutzverein fehlen leider oft die finanziellen Mittel, um den Aufgaben und Verpflichtungen auf einem dem Wohl der Tiere entsprechend hohen Niveau zu erfüllen. Das Tierheim sucht daher ständig für schwer- oder nichtvermittelbare Tiere Paten, die mit einem finanziellen Beitrag helfen. Dieser Betrag ist frei wählbar. Er soll den Lebensunterhalt für das Tier sicherstellen. In Anerkennung der Unterstützung erhalten die Tierpaten eine Urkunde mit einem Farbfoto ihrer Patentieres."

Viele Tiere gehen ein und aus. Es kommen neue hinzu, die aus vielerlei Gründen ihr Heim verloren haben. Es ziehen Tiere aus, die endlich ein neues Zuhause bekommen. Bei den Kaninchen hat Frau Seidel für das Jahr 2008 festgehalten, dass sie 13 Fundtiere sowie 57 Abgabetiere übernommen haben. Davon konnten 66 Tiere vermittelt werden. Leider kommen jedoch auch Tiere an, die sehr krank oder schwer verletzt sind und für die es keine Überlebens-Chance mehr gibt. In Zusammenarbeit mit der Tierärztin wird alles versucht das Leben zu retten. Manchmal bleibt allerdings nur die Euthanasie übrig.

Erinnerung an ein ganz besonderes Einzelschicksal hat Frau Seidel nicht. Denn alle Tiere des Tierheims stellen für sie ein Schicksal dar. Insbesondere die ausgesetzten Seelchen liegen ihr sehr am Herzen. Für diese Tiere freut es sie dann ganz besonders, wenn sie ein schönes Zuhause finden.

Ein Gerücht hält sich seit vielen Jahren hartnäckig: Im Tierheim gibt es doch eh nur kranke und alte Tiere! Die Wahrheit ließe sich bei einem Besuch des örtlichen Tierheims sehr schnell feststellen. Denn es sind von jung bis alt, von quirlig bis ruhig, vom Rassetier bis zum Mischling und von kerngesund bis chronisch krank alle Kaninchenarten im Tierheim enthalten! Zudem bietet es einige Vorteile sein Tier dort auszusuchen:
Inge Seidel: "Es gibt einige gute Gründe dafür. Als erstes kann ich dazu sagen, dass im Tierheim alle Tiere einem regelmäßigen Check beim Tierarzt unterstehen und die männlichen Tiere kastriert sind oder es werden. Einen großen Vorteil gegenüber dem Kauf in einer Zoohandlung sehe ich darin, dass ich den Besitzern Auskünfte zum Charakter, zum Alter und der Gesundheit der Tiere geben kann. Beratungen bezüglich artgerechter Haltung und Ernährung sind hier selbstverständlich. Oft wird ein Partnertier gesucht, zu dem ich dann den passenden Ausgleich finde. Viele Menschen kommen und berichten davon, dass sich ihre Tiere nicht verstehen. Auch hier berate ich dann eingehend um die Ursache zu finden (evtl. Platzproblem, Zusammenführungsfehler etc.) Wenn die Probleme dann nach wie vor bestehen kann im Tierheim ein geeigneterer Partner gefunden werden. Wenn mit der Tierhaltung neu angefangen wird kann man im Tierheim ein bereits funktionierendes Pärchen oder eine Gruppe nehmen und wenn doch alle Stricke reißen, darf man hier auch ein einzelnes Tier wieder zurückbringen oder tauschen. Bei der Suche und Beratung in einem Tierheim warne ich allerdings auch vor Spontananschaffungen, die oft aus einem Kinderwunsch heraus getätigt werden. Denn für die Tiere sollte es ein Zuhause auf Lebenszeit sein."

Gerade zur Urlaubszeit herrscht in Tierheimen Hochbetrieb, weil viele Menschen nicht wissen, wohin mit ihrem tierischen Freund. Das Tierheim Biberach hat hierfür eine Lösung gefunden.

bunny-in: Wenn die Urlaubszeit ansteht, bleibt oft die Frage: Wohin mit seinem Tier? Das Tierheim bietet sich hier als Vermittler an, rechtzeitig geeignete Betreuer zu suchen, die sich privat um das kurzzeitig verwaiste Tier kümmern. Wie ist die Resonanz dahingehend?
Inge Seidel: "Aus Platzmangel im Tierheim sind wir natürlich über jedes Angebot von Privatpersonen dankbar, die die Möglichkeit haben Hund, Katze, Maus und co. für eine gewisse Zeit zur Urlaubsbetreuung aufzunehmen. Da für die Betreuung ein Tagessatz verlangt werden kann, müssen die Vorraussetzungen hierbei auch stimmen. Sprich Erfahrung des Betreuers und ausreichend dem Tier angepasstes Platzangebot."

Das bunny-in bedankt sich bei Frau Seidel für das Interview und die uns zur Verfügung gegebene Zeit im Tierheim. Wir wünschen Ihr und dem Tierschutzverein im Landkreis Biberach e.V. für all seine Tiere weiterhin erfolgreiche Vermittlungen.

 

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