Kaninchenkrankheiten A-Z

Enzephalitozoonose

» zurück zu Kaninchenkrankheiten A-Z

bunny-in Tipp

  • Sofort zum Tierarzt/Nottierarzt - keine Zeit verlieren!
  • Dieser Bericht steht zum Download zur Verfügung!

 


Enzephalitozoonose (Encephalitozoon cuniculi)

Die Enzephalitozoonose ist eine Krankheit mit vielen Namen. Manchem ist sie mit dem Begriff Schiefhals (Headtilt, Torticollis) bekannt, mancher betitelt sie als Hirnhautentzündung. Und fast genauso viele „Gesichter“ wie Namen hat Enzephalitozoonose. Doch dazu später mehr. Was genau ist Enzephalitozoonose? Es ist eine Infektionskrankheit, die durch einen parasitierenden Erreger (Encepahlitozoon cuniculi) hervorgerufen wird. Dieser gehört zur Ordnung der Mikrosporidien (winzige Mikroorganismen).
Zoonosen können von Tier zu Mensch übertragen werden. Immuninkompetente Menschen sind besonders gefährdet (z.B. AIDS-Patienten). Es sollte daher während einer Erkrankung von Enzephalitozoonose penibel auf die Reinigung von Händen geachtet werden, nachdem ein Tierkontakt stattgefunden hat.
Das Gehege/der Lebensraum der Tiere sollte während eines akuten Ausbruchs penibel gesäubert werden. Klokisten und Plastikgegenstände spült man am besten mittels kochendem Essigwasser ab. Zudem sollten Klokisten täglich gereinigt werden (ggf. Einweghandschuhe tragen oder die Hände danach gut reinigen).

Erkrankung und Übertragung
Enzephalitozoonose sitzt in geschätzten 80 % der Kaninchenbevölkerung. Viele Tiere sind Träger, müssen daran jedoch nicht zwangsläufig erkranken. Bei vielen Tieren schafft es das Immunsystem sehr gut den Erreger in Schach zu halten. Die Übertragung und Ansteckung auf andere Tiere kann während bestimmter Infektinosstadien durch Urin kontaminiertes Futter erfolgen.

Krankheitsverlauf
Wie eingangs erwähnt hat die Enzephalitozoonose mehrere Gesichter. Das bekannteste besitzt die folgenden Hauptsymptome:
 

  • Schiefhaltung des Kopfes
  • Gleichgewichtsverlust (das Tier fällt um)
  • Unnatürliche Pupillenbewegung (Nystagmus)

Es gibt jedoch auch Fälle von Lähmungserscheinungen, Verdauungsstörungen oder Krampfanfällen. Bei all diesen Erkrankungen sollte Enzephalitozoonose in Betracht gezogen werden. Der Erreger sitzt leider nicht nur an einer Stelle im Körper, sondern wandert im Organismus des Tieres. Er befällt die Organe (z.B. Gehirn, Nieren) und kann diese schädigen.
Todesfälle können eintreten. Meistens dann, wenn das Tier nicht richtig therapiert wird oder aber zu spät mit einer richtigen Therapie begonnen wird (jeder Tag zählt).

Diagnosestellung
Trotz vieler Fortbildungsmöglichkeiten gibt es auch heute noch Tierärzte, die diese Erkrankung nicht (er)kennen und statt zur richtigen Therapie direkt zur Euthanasie raten, ganz gleich in welchem Stadium sich das Tier befindet. Ich halte von einer pauschalen Euthanasie bei Enzephalitozoonose absolut nichts! Es ist in jedem Fall einen Versuch wert, mit der richtigen Therapie das Tier zu behandeln.
Enzephalitozoonose kann mittels Bluttests definitiv bestimmt werden. Es bietet sich an, eine Auswertung mit Titerhöhenbestimmung zu veranlassen. Vorteil: Klare Auskunft das diese Erkrankung ausgebrochen ist. Nachteil: Der Stress durch die Tierarztfahrt kann den Titerwert verfälschen und nach oben treiben. Es gibt auch Bluttests, die lediglich Enzephalitozoonose als Vorhandensein bestätigen (ja/nein – Prinzip). Diese sind jedoch nicht so aussagekräftig, ob die Erkrankung tatsächlich ausgebrochen ist. Denn ein ja muss nicht zwangsläufig heißen, das Tier ist akut daran erkrankt. Es gibt lediglich wieder, dass das Tier Erregerträger ist.
Weitere Diagnosemöglichkeiten sind das Prüfen der Pupille auf Nystagmus (unkontrollierbare, rhythmische Bewegungen). Diese sind jedoch nicht immer zwangsläufig vorhanden.

Da die Erkrankung Listeriose der Enzephalitozoonose sehr ähnelt, sollte bei Verdacht auf Enzephalitozoonose mittels Blutuntersuchung und Kotprobe auch auf Listerien untersucht werden!

Therapie
Die Therapie von Enzephalitozoonose sollte stets die Gabe von Fenbendazol (z.B. in Panacur) beinhalten! Es hat sich in vielen Studien erwiesen, dass Fenbendazol auf den Erreger am Effektivsten einwirkt. Fenbendazol sollte über mindestens 21 Tage verabreicht werden, besser jedoch über 4-6 Wochen! Zudem wird zur Gabe von Vitamin B (stoffwechselaktivierend) geraten, um die Nerven, Gehirn und Muskeln zu stärken. Weiterhin sollten Infusionen erfolgen, um die Nieren gut durchzuspülen. Die weitere Therapie sollte nach meiner Einschätzung und aufgrund meines Erfahrungswertes ein Antibiotikum beinhalten. Viele Tierärzte wählen Baytril aus. Dies sollte jedoch nur solchen Tieren während einer Enzephalitozoonose gegeben werden, die dieses Antibiotikum bislang noch nie bekommen haben. Der Erreger könnte ansonsten bereits Resistenzen gebildet haben. Von Fachärzten wird aktuell Tetracyclin als wirksamstes Antibiotikum bei Enzephalitozoonose bewertet. Die Gabe von Cortison kann außerdem erfolgen. Dieses wird jedoch von vielen Tierhaltern als kritisch betrachtet, da Cortison das Immunsystem herabsetzt. Eine regelmäßige Überprüfung der Nierenwerte während der Erkrankung, sowie zu späteren Zeitpunkten ist ratsam, da der Erreger diese angreifen und zu Schädigungen (Niereninsuffizienz) führen kann.

Zusammenfassung:
 

  • Panacur (10 % Suspension) Dosierungsmenge: 0,2 ml pro kg Körpermasse
  • Vitamin B
  • Antibiotikum (z.B. Tetracyclin)
  • Infusion
  • Cortison

Pflege während der Erkrankung
Die Enzephalitozoonose ist eine Krankheit, bei der jeder Tierhalter Geduld üben muss und dem Tier Ruhe bieten sollte. In vielen Fällen ist es so, dass in den ersten Tagen nach Therapiebeginn eine Verschlimmerung eintritt und u.U. erst zwischen dem 7. und 12. Tag eine langsame Besserung stattfindet.
Eine Trennung vom Partnertier ist nur dann sinnvoll, wenn das Partnertier den Tierpatienten unterdrückt und dadurch zu sehr stresst. Kümmert sich jedoch das Partnertier liebevoll um seinen „Kumpel“, sollten die Tiere nicht getrennt werden. Eine Behandlung des Partnertieres vorsorglich mit Fenbendazol kann erfolgen, ist jedoch kein muss.

Je nach Krankheitsverlauf muss unter Umständen der Lebensraum des Tieres während der Krankheit so angepasst werden, dass es sich beim Umfallen (bedingt durch die Gleichgewichtsstörung und Kopfschiefhaltung) nicht verletzen kann. Ein Hochheben während der Erkrankung sollte tunlichst vermieden werden, da das Tier durch den fehlenden Bodenkontakt die Orientierung verlieren kann. Kann ein Hochheben nicht vermieden werden, bitte nach dem Absetzen für einen kurzen Moment das Tier festhalten, bis es sein Gleichgewicht und die Orientierung wiedergefunden hat.
Laute Musik und Geräusche sollten während der Erkrankung vermieden werden. Das komplette Abdunkeln von Räumen ist nicht empfehlenswert, da jedes Lebewesen das Tageslicht benötigt. Bitte jedoch keinesfalls das Tier einer direkten Sonnenbestrahlung aussetzen. Dies kann das Tier während der Erkrankung als störend empfinden (Unwohlsein).

Alternative Zusatztherapien
Es hat sich bei vielen Tieren gezeigt, dass eine zusätzliche alternative Therapiemethode sehr förderlich für den Heilungsverlauf ist. Hierbei ist es für den Laien immer sehr schwer herauszufinden, was genau zu geben ist und in welchem Umfang. Am besten ist es, Sie kontaktieren einen klassisch ausgebildeten Tierhomöopathen mit einer Anamnese und Mittelauswertung.

Die Gabe folgender Mittel hat sich als förderlich für eine Heilung erwiesen (alle Mittel sind rezeptfrei über die örtliche Apotheke zu beziehen):
Cerebrum compositum (Heel) gegen hirnorganische Störungen
im Wechsel mit Vertigoheel (Heel) gegen Schwindel zusätzlich
Engystol und Coenzyme compositum (beides Heel) zur Anregung des Immunsystems und Stoffwechsels.
Alternativ bietet sich die Gabe von Schüßler Salzen anstelle der vorgenannten Heel-Mittel an:
Schüßler Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum D12) und Schüßler Salz Nr. 14 (Kalium bromatum D6) an.

Die Dosierung von homöopathischen Komplexmitteln der Firma HEEL oder Schüßler Salzen sollten Sie mit Ihrem Tierarzt/Tierheilpraktiker besprechen. HEEL gibt zu ihren Produkten auch selbst kostenlose Beratung über ihre Homepage. Alternativ dazu kann auch eine kostenpflichtige, alternative Begleitung durch einen Tierheilpraktiker über Sonja Tschöpe erfragt werden. Anfragen dazu bitte über www.animal-visite.de

Physiotherapeutische Übungen können dem Tier gut tun. Lassen Sie sich diese bitte jedoch von Ihrem Tierarzt oder behandelnden Tierheilpraktiker zeigen. Weiterhin sind für viele Tiere sanfte Massagen (entweder mit den Fingern oder mittels weicher Bürste und sanftem Druck) oder TTouch-Griffe sehr angenehm.

Linktipps

Intervet über Enzephalitozoonose
Dr. Birgit Drescher über Enzephalitozoonose

Homepage von Headtilt über Enzephalitozoonose
 
 

Fotomaterial:

» zurück