Kaninchenkrankheiten A-Z

Kokzidien

» zurück zu Kaninchenkrankheiten A-Z

 

bunny-in Tipp

  • Sofort zum Tierarzt, spätestens am nächsten Tag!
  • Kotprobe mitnehmen!
  • Ein Erfahrungsbericht steht zum Download zur Verfügung!

 


 

Kokzidien bzw. Kokzidiose beim Kaninchen

Kokzidien sind parasitäre Einzeller, die den Darm, die Gallengänge und die Leber befallen können. Sie entwickeln sich in einem komplizierten, mehrphasigen Zyklus, an dessen Ende die sogenannten Oozysten mit dem Kot ausgeschieden werden. Innerhalb von wenigen Tagen reifen diese in der Einstreu und werden dann als infektionstüchtige Stadien z. B. durch das Gesäuge der Mutter, durchs Futter oder Wasser von den Tieren aufgenommen. Ein Kreislauf beginnt.

Es wird geschätzt, dass ca. 80 % aller Hauskaninchen latent mit Kokzidien infiziert sind. Sie scheiden die Erreger in großen Mengen aus, stecken ihre Artgenossen damit an, erkranken aber selber nicht daran. Durch Fütterungsfehler, Stress (z. B. Tierarzt-Besuch) oder auch Infektionen wird das Immunsystem der Tiere belastet und die Erkrankung – die Kokzidiose – bricht aus.

Es wird zwischen zwei Arten von Kokzidiose unterschieden:

1. Darmkokzidiose
2. Leberkokzidiose

Bei der Darmkokzidiose dringen die Erreger in die Darmschleimhaut ein, entzünden sie und verursachen Verdauungsstörungen, da die Nahrung nicht mehr richtig verarbeitet werden kann. Appetitlosigkeit und sehr starker, wässriger/schleimiger oder auch blutiger Durchfall tritt auf. Sehr schnell magern die Tiere ab, werden apathisch und bekommen auch wässrigen Ausfluss in Augen und Nase. Aufgrund des gestörten Verdauungsablaufes kommt es zur Gasbildung im Körper und das kranke Kaninchen bläht auf. Im Endstadium der Krankheit kommen zusätzlich Krämpfe und Lähmungen hinzu bis dann letztendlich der Tod eintritt.
Gerade Jungtiere erkranken dabei am schwersten und die Sterblichkeitsrate beträgt bis 100 %.

Bei der Leberkokzidiose (auch Gallengangskokzidiose genannt) dringen die Erreger durch die Darmwand hindurch in die Blutgefäße und werden dann mit dem Blut in die Leber transportiert. Hier führen sie zu Entzündungen und zu Erweiterungen der Gallengänge. An der Oberfläche wie auch im Inneren der Leber bilden sich Knötchen, die meist in einer Reihe angeordnet sind. Die Leber schwillt an und es kommt zu ähnlichen Symptomen wie bei der Darmkokzidiose, allerdings sind Durchfälle hier seltener.
Bei leichten Infektionen können die Entzündungen der Leber bzw. des Gallenganges nach einiger Zeit wieder abklingen und Vernarbungen hinterlassen. Bei einem hochgradigen Befall stirbt das erkrankte Tier innerhalb von wenigen Wochen.

Diagnose
Oozysten werden durch eine mikroskopische Kotuntersuchung im sogenannten Flotationsverfahren vom Tierarzt nachgewiesen. Ganz wichtig ist hierbei, dass Kotproben von mehreren Tagen (am besten über 3 Tage) gesammelt werden, da Oozysten nicht in jedem einzelnem Kügelchen nachgewiesen werden können. 

Therapie
Da Kokzidien hochgradig ansteckend sind, ist es immer notwendig, dass alle Tiere mitbehandelt werden – auch wenn diese keine Symptome zeigen!

Bei der Behandlung werden Sulfonamidpräparate oder Sulfonamid-Trimethoprim-Kombinationen eingesetzt. Ebenfalls wirksam gegen Kokzidien sind Toltrazuril und Diclazuril.
Von Präparaten, die über das Wasser verabreicht werden (z. B. Kokzidiol SD), ist abzuraten, weil nicht gewährleistet werden kann, dass jedes Tier die nötige Menge davon aufnimmt.
Sind bereits Durchfälle vorhanden, kann der Flüssigkeitsverlust durch die Gabe von Elektrolytlösungen (isotonische Kochsalzlösung, Ringerlösung) ausgeglichen werden. Außerdem sollte zusätzlich noch die Darmflora stabilisiert werden (z.B. bene bac oder Symbiopet). 

Während der Behandlung empfiehlt es sich auch, seine Tiere auf eine Heu-Kräuter-Wasser-Diät zu setzen, da die Erreger durchs Futter (gerade durch stärkehaltige Produkte) miternährt werden.

Ungefähr zwei Wochen nach der Behandlung sollte eine Kontroll-Kotprobe untersucht werden, um sicherzustellen, dass die Parasiten auch wirklich abgetötet wurden. Sollte dies nicht der Fall sein, muss eine weitere Behandlung erfolgen.

Hygiene
Oozysten sind äußerst widerstandsfähig und können bei schlechten Hygienemaßnahmen über Jahre hinweg ansteckungsfähig bleiben. Manchmal wird behauptet, dass zur Reinigung Essigwasser ausreicht – dies ist allerdings nicht wahr. Das wirksamste Mittel ist kochend heißes Wasser, da Oozysten sehr hitzeempfindlich sind. Vermutlich ab einer Wassertemperatur von 60°C werden die Parasiten abgetötet. Da hier teilweise auch andere Zahlen im Raum stehen, sollte bestenfalls immer kochendes Wasser genommen werden. 

Um den Infektionskreislauf zu unterbrechen, ist also während der Behandlungszeit penibelst auf eine gründliche Hygiene zu achten. Toiletten, Futterschalen, Näpfe, Holzhäuser usw. müssen jeden Tag mit kochend heißem Wasser abgespült werden. Zur Reinigung der Bodenfläche eignet sich ein Dampfreiniger.

Wird der gesamte Käfig als Klo genutzt, kann die Einstreu durch Handtücher ersetzt werden, die anschließend täglich in der Kochwäsche (95°C) gewaschen werden. 

Am besten schränkt man den Wirkungskreis der Tiere während der Behandlungszeit ein, damit die Reinigung nur noch auf einer überschaubaren Fläche stattfinden muss.

Leben die betroffenen Tiere in Außenhaltung, sollte die obere Erdschicht (mindestens 5 Centimeter) abgetragen, alles mit kochend heißem Wasser übergossen und anschließend eine frische Erdschicht aufgetragen werden. Die Kaninchen während dieser Aktion vorübergehend ausquartieren.

Vorbeugung
Kommt ein neues Tier in die Gruppe, so sollte immer eine Quarantäne eingehalten werden, um die Einschleppung von Krankheiten zu vermeiden. Ist der Kot des Tieres negativ auf Kokzidien getestet worden, kann eine Zusammenführung erfolgen.

Toiletten und Näpfe sollten regelmäßig gereinigt werden. Zudem ist es vorteilhaft, wenn das Futter nicht mit der Einstreu in Berührung kommt. 

Frischfutter sollte immer gewaschen zum Verzehr angeboten werden.

Da ein Kokzidienbefall immer mal wieder vorkommen kann, bietet sich eine regelmäßige Kotuntersuchung an. Das Innengehege sollte auch nicht mit Straßenschuhen betreten werden, um ein "Einschleppen" ins Gehege auf diesem Wege zu verhindern.

 

Weitere Informationen zum Thema findest Du unter Durchfall 

» zurück